Am 26. April 2026 wurde das Daadener Bürgerhaus zu einem Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und Zukunft auf eindrucksvolle Weise zusammenkamen. Bis auf den letzten Platz gefüllt erlebten die Besucherinnen und Besucher einen Abend, der berührte, bewegte und zugleich Hoffnung schenkte.
Im Mittelpunkt stand die Begegnung zwischen den Gästen aus dem griechischen Märtyrerdorf Kommeno und den Menschen aus Daaden – eine Begegnung, die weit über ein gewöhnliches Zusammentreffen hinausging. Es war ein Abend der Völkerverständigung, getragen von Respekt, Offenheit und dem gemeinsamen Wunsch, aus der Vergangenheit zu lernen.
Stadtbürgermeister Walter Strunk machte in seinen Grußworten deutlich, wie sehr ihn dieser Abend erfüllt. Mit großer Herzlichkeit betonte er, wie gerne er die Gäste in Daaden empfangen habe. Gleichzeitig zeigte er sich dankbar für die breite Unterstützung durch den Stadtrat sowie die Daadener Vereine. Gemeinsam sei es gelungen, den Gästen die Kultur, die Gemeinschaft und die Lebensart des Daadener Landes näherzubringen. Besonders bewegend sei für ihn die Tatsache, dass mit Kommeno nun – vermutlich erstmals – ein griechisches Märtyrerdorf mit einer Gruppe erwachsener Bürgerinnen und Bürger den Weg nach Deutschland gefunden habe, um die gewachsenen Beziehungen weiter zu vertiefen.
Hilde Schramm, Vorsitzende des Vereins „Respekt für Griechenland“, richtete eindringliche Worte an das Publikum. Sie erinnerte daran, mit welcher Brutalität die deutsche Wehrmacht in vielen Teilen Griechenlands gewütet hat. Ganze Dorfgemeinschaften seien zerstört worden, ein normales Leben sei für lange Zeit unmöglich gewesen. Viele Menschen in Deutschland wüssten bis heute wenig über diese Verbrechen, und finanzielle Wiedergutmachung habe es für viele betroffene Orte nie gegeben – auch nicht für Kommeno. Armut und Leid hätten das Leben der Menschen über Jahrzehnte geprägt. Umso wichtiger sei es für sie und ebenso für Amar Basic (Projektleiter „Respekt für Griechenland“ sowie während des gesamten Austauschs als Dolmetscher tätig), dass heute Begegnung, Menschlichkeit und Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Dass aus ehemaligen Orten des Schmerzes Orte der Freundschaft entstehen können, sei keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut. Die beiden dankten allen Organisatorinnen und Organisatoren, die diesen Abend möglich gemacht haben.
Die Gäste aus Kommeno, Panagiotis Giotis und Dimitra Vlachou (Vorstand des Kulturvereins Kommeno), gaben auch bewegende Einblicke in die Geschichte ihres Dorfes. Sie erinnerten an das Massaker vom 16. August 1943, bei dem über 300 Menschen ihr Leben verloren. Gleichzeitig würdigten sie die Arbeit der Daadener Schülerinnen und Schüler der AG „Friedenserziehung–Geschichte“, die in den Jahren 2023 und 2024 gemeinsam mit ihren Lehrern Lars Limbach und Simon Imhäuser in Kommeno tätig waren. Mit großer Anerkennung beschrieben sie, wie wichtig dieses Engagement für die Erinnerungskultur und für den Aufbau neuer Beziehungen sei.
Auch die beiden Lehrkräfte selbst fanden eindrucksvolle Worte: Begegnung, so betonten sie, bedeute mehr als Austausch – sie schaffe Verbindungen, die bleiben. Die gemeinsamen Reisen nach Kommeno seien von Herzlichkeit, Offenheit und echtem Interesse geprägt gewesen. Trotz sprachlicher Unterschiede sei ein tiefes Verständnis füreinander entstanden – durch gemeinsames Arbeiten, Lernen und Erleben. Aus der Auseinandersetzung mit der Geschichte sei Verantwortung gewachsen: Verantwortung, hinzusehen, zu erinnern und die Zukunft aktiv mitzugestalten. Es erfülle sie mit Dankbarkeit, Teil einer neuen, positiven Geschichte Kommenos zu sein – einer Geschichte, die von Freundschaft und Respekt geprägt ist.
Neben den bewegenden Worten sorgte ein abwechslungsreiches Programm für eine besondere Atmosphäre. Für mitreißende Stimmung sorgten auch die Tanzgruppen des Daadener Turnvereins, allen voran die HipHop-Gruppe „P.D.C. – Passion Dance Crew“, die mit ihrer Energie und Ausdruckskraft das Publikum begeisterte. Immer wieder wurde deutlich: Kultur verbindet – über Generationen und Länder hinweg.
Die traditionellen Tänze des Ensembles aus Kommeno – dargeboten in originalen Trachten – berührten das Publikum ebenso wie sie beeindruckten. Sie verbanden auf eindrucksvolle Weise kulturelles Erbe mit der Botschaft von Erinnerung und Hoffnung.
Auch die Schülerinnen und Schüler der Realschule plus Daaden trugen maßgeblich zum Gelingen des Abends bei. Mit musikalischen Beiträgen der fünften Klassen und der Schulband (Leitung: Dieter Schmidt) schufen sie einen herzlichen, lebendigen Rahmen und zeigten eindrucksvoll, wie junge Menschen diesen Austausch mit Leben füllen.
Ein weiterer bewegender Moment war das Läuten der Friedensglocke – ein stilles, aber kraftvolles Zeichen dafür, dass Erinnerung nicht trennt, sondern verbinden kann. Der ehemalige Schüler Luis Ermert (ebenfalls Mitglied der AG „Friedenserziehung–Geschichte“) verteilte im Anschluss kleine selbst ausgefräste Friedensglocken aus Metall, die an die Begegnung in Daaden erinnern sollen.
Ein solcher Abend wäre jedoch nicht möglich ohne die Unterstützung vieler engagierter Menschen und Institutionen. Dafür galt an diesem Abend ein besonderer Dank dem Verein „Respekt für Griechenland“, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz, dem Projekt „Europawochen 2026“ der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, insbesondere der Stadt Daaden mit Stadtbürgermeister Walter Strunk sowie allen beteiligten Vereinen, Unterstützern und Sponsoren – darunter auch der ortsansässigen Volksbank und Sparkasse.
Der Abend machte eindrucksvoll deutlich, worum es bei dieser besonderen Partnerschaft geht: Geschichte erinnern, Begegnung ermöglichen und Verbindungen wachsen lassen. Aus einem schulischen Projekt ist etwas entstanden, das weit darüber hinausgeht – eine lebendige Freundschaft zwischen Menschen, die sich einst als Fremde begegnet sind.
So wurde das Bürgerhaus an diesem Abend zu einem Ort der Hoffnung. Ein Ort, der zeigt, dass aus den dunkelsten Kapiteln der Geschichte neue Wege entstehen können – Wege hin zu Verständigung, Respekt und einem gemeinsamen europäischen Miteinander.

Die „Hip Hopper“ des Daadener Turnvereins

Die Mitglieder des Kulturvereins Kommeno

Die Jugendtanzgruppe des Daadener Turnvereins

Stadtbürgermeister Walter Strunk spricht bedankt sich vor der Friedensglocke bei allen
Text (verantwortlich): Simon Imhäuser
